Unsere Ablehnung moderner Irrlehren

Interview mit Ehrendomherr Edmund Dillinger

Int: Herr Pfarrer Dillinger, vor kurzem sind in einer katholischen Studenten- und Akademikerzeitschrift in Leserbriefen ganz schlimme theologische Irrlehren veröffentlicht worden. Sie haben dazu Stellung bezogen, auch in Rom haben Sie Beschwerde eingelegt. Worum handelte es sich bei diesen Veröffentlichungen?

ED: Sie haben Recht, ich war maßlos erschrocken, dass in einer katholischen Zeitschrift für Studenten und Akademiker solche – ich muß es leider so deutlich sagen – unsinnige, haltlose, falsche Ansichten veröffentlicht werden. Man kann sich auch nicht damit herausreden, dass man Leserbriefe immer veröffentliche wolle, auch wenn sie nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Zeitschrift wird von jungen Studenten aller Fakultäten gelesen, die auch durch Leserbriefe von Akademikern glauben, theologische Informationen zu bekommen. Deshalb muß von uns eine Richtigstellung erfolgen.

Int: Sie haben in einer Dokumentation drei Irrlehren angesprochen. Kommen wir zur ersten Falschdarstellung: Es geht hierbei um die Apostolische Nachfolge des Bischofsamtes.

ED: Es wurde behauptet, die Apostolische Nachfolge im Bischofs- und Priesteramt - wir nennen sie in der Theologie mit dem Fachausdruck „Successio Apostolica“ – habe es in der römischen Kirche nie gegeben. Das Bischofsamt habe sich erst im 2. Jahrhundert herausgebildet. Mit dieser Aussage wird unsere katholische Kirche in ihren Fundamenten zerstört, denn die Weitergabe der bischöflichen (auch der priesterlichen) Vollmacht wird durch Handauflegung des Bischofs als Sakrament gespendet. Die gültige Handauflegung durch den Bischof ist die Voraussetzung für die Feier der Eucharistie. Auch die Bestellung von Diakonen erfolgte schon in der Urkirche durch Handauflegung (vgl. Apg. 6, 6), d.h. jede Bevollmächtigung fand seit der Zeit der Apostel sichtbar und erlebbar durch einen sakramentalen Rechtsakt statt. Jesus selbst bestellte die zwölf Apostel (in Darstellung der zwölf Stämme Israels, des altt. Bundesvolkes) zu Zeugen und Verkünder seiner Botschaft bis an die Grenzen der Erde (vgl. Apg. 1, 8). Mit diesem Auftrag bestellte er sie zu Amtsträgern.

Die reformatorischen Gemeinschaften haben im 16. Jahrhundert das Bischofsamt und das Priestertum absichtlich abgeschafft. Warum wollen nun auch Katholiken diesem Beispiel folgen? Es gibt doch im ‚Weltrat der Kirchen’ in Genf 347 christliche Gemeinschaften, die sich im Laufe der letzten vierhundert Jahre gebildet haben, die diese Irrlehre vertreten. Ich meine wir als Katholische Kirche sollten bei der 2000jährigen Lehre bleiben.

Int: Nun kommt es aber noch ungeheuerlicher: Es wird behauptet, dass es in den ersten Jahrhunderten gar keinen Papst gegeben habe, dass Jesus gar kein sichtbares Oberhaupt seiner Kirche bestimmt habe.

ED: Ja, manche behaupten, Christus habe überhaupt keine Kirche gegründet. Aber gehen wir auf den Text der Ausführungen ein: Es habe in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte kein Papstamt gegeben, denn dieses habe sich erst im Laufe der Jahrhunderte zu einer Machtposition entwickelt durch zwei Fälschungen, die Konstantinische Schenkung (8.Jh.) und die Pseudoisidorischen Dekretalen (9.Jh.). Dem gegenüber ist aber im Neuen Testament eindeutig bezeugt, dass Jesus zu Simon sagte: „Du bist Kephas (Petros) und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“ (Matth. 16, 18). Dieser Petrus führte die Kirche von Anfang an. Petrus erhob sich im Kreise der Jünger und leitete die Zuwahl des Matthias (vgl. Apg. 1, 15). Beim Pfingstwunder trat Petrus mit den elf anderen Aposteln vor und erhob seine Stimme vor den versammelten Scharen (Apg. 2, 14). Die ersten zwölf Kapitel der Apostelgeschichte berichten von Petrus, weil er die wichtige Vorsitzfunktion ausübte. Beim Apostelkonzil im Jahre 49 erhob sich Petrus und leitet die Versammlung (Apg. 15, 7). Über das Bischofsamt schreibt Paulus im 1. Timotheusbrief ( 1 Tim. 3, 1 -10). In der Kürzinger-Ausgabe des NT ist dieses Kapitel überschrieben „Von den kirchlichen Ämtern“. Petrus schreibt an die Vorsteher der Gemeinden (1. Petr. 5, 1 – 4): „Spielt nicht die Herrn über die euch Anvertrauten, sondern seid Vorbilder für die Herde.“ Es wird von dem Artikelschreiber nun behauptet, dass Petrus keineswegs der erste Papst war. Wie das NT beweist, leitete Petrus von Anfang an die Kirche Jesu Christi zuerst in Jerusalem (wobei der Bischof von Jerusalem der Apostel Jakobus war), dann von Antiochien aus, schließlich von Rom aus. Seine Nachfolger sind im 1. Jh. die Päpste Linus, Kletus, Clemens. Die Päpste haben schon in den ersten Jahrhunderten von Rom aus Synoden und Regional-Konzilien einberufen und sind gegen Irrlehren vorgegangen. Als älteste Bischofsgemeinde Oberitaliens gilt Ravenna (nach 120), dann Mailand (um 200). Papst Kornelius († 253) versammelte schon 251 in Rom wegen des Schismas des Novatian 60 Bischöfe. Viele weitere historische Beweise ließen sich anführen.

Int: Eine weitere schlimme Behauptung bezieht sich auf das Abendmahl. Was haben Sie dazu zu sagen?

ED: Sie haben recht. Etwas Schlimmeres und Sakrilegischeres kann ich mir nicht vorstellen. In dem Artikel wird behauptet, Christus habe zum Abendmahl alle eingeladen, er habe mit Sündern, Zöllnern, Ehebrechern und Dirnen gegessen. Hier kann nur enorme Unkenntnis vorliegen. Zum Abendmahl (Paschamahl) waren keineswegs Sünder und Ehebrecher eingeladen, sondern das jüdische Paschamahl war eine rein religiöse Zeremonie im Gedenken an die Befreiung des Gottesvolkes aus der Sklaverei in Ägypten. Das Paschamahl mit einem ‚Essen zum Sattwerden’ gleichzusetzen ist eine ungeheure Beleidigung des religiösen Judentums (das müssen auch wir Katholiken in Bezug zur Feier der Eucharistie beachten, wo immer wieder vom bloßen Mahl geredet wird). Beim Abendmahl, also bei der Einsetzung der Eucharistie, waren nur die zwölf Apostel zugegen, die hiermit ihre priesterliche Vollmacht bekamen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Dazu muß die Aussage des Paulus beachtet werden: „Wer unwürdig dieses Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn. Er isst und trinkt sich das Gericht“ (1. Kor. 11, 27 – 29).

Int: Wir danken Ihnen für diese klare theologische Stellungnahme. Die Kirche muß diesen heutigen Irrlehren, die sich in Zeitschriften und Fernsehdiskussionen verbreiten, mutig entgegentreten,

ED: Ich empfehle zum Lesen, was in der Heiligen Schrift über die Irrlehrer gesagt ist: 2. Petr. 2, 1 – 22 und Judasbrief 10 – 12. Was mich am meisten aufgeregt hat, war die Darstellung auf der Titelseite dieser Zeitschrift, wo man auf einem Photo unseren Heiligen Vater sieht, wie er dem neu ernannten Kardinal Paul-Josef Cordes das Kardinalsbirett überreicht. Ich hoffe, dass recht viele Leser sich diese Ausführungen als die Lehre unserer Kirche zu eigen machen. Ich wünsche allen Gottes Segen. Im täglichen Gebet sind wir verbunden.

 

 

Auf dem Fundament der Apostel.

 

Die Kongregation für die Glaubenslehre hat vor kurzem ein Dokument veröffentlicht, das überschrieben ist „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“. Das Dokument ist vom Präfekten dieser Kongregation, Kardinal William Joseph Levada unterzeichnet. Es wurde von einer internationalen Kommission von renommierten Theologieprofessoren erarbeitet. Das Dokument will eine klare Definition geben, was wir unter dem Begriff „Kirche Jesu Christi“ verstehen.

Seit dieser Veröffentlichung hat sich eine lebhafte Diskussion, besonders in Deutschland, und hier besonders unter den Protestanten ergeben. Wenn ich die Stellungnahmen in der Presse und hier auch besonders die Leserbriefe studiere, muß ich feststellen, daß viele Diskutanten überhaupt nicht begriffen haben, worum es dem Dokument geht. Das Dokument gibt keine neue Lehre wieder, sondern präzisiert nur, was seit jeher die Lehre der katholischen Kirche war, und was auch besonders im Zweiten Vatikanischen Konzil nochmals deutlich herausgestellt worden ist. So schreibt die WLZ vom 11.7.2007 (Journalist Peter Meinert): „Papst Benedikt brüskiert die Protestanten“, und „Schlag ins Gesicht der Ökumene“. Wenn sich Protestanten brüskiert fühlen, ist es ihre eigene Schuld. Warum wurde in der Reformation alles abgeschafft und verhöhnt, was die Kirche Jesu Christi ausmacht? Ich habe die Leserbriefe in verschiedenen Tageszeitungen in Bayern und Westdeutschland gesammelt und muss feststellen, dass durch die Zuschriften eines Teils der protestantischen Briefschreiber diese ihr wahres Gesicht gegenüber unserer katholischen Kirche gezeigt haben. Auf dieser Basis ist eine zukunfsgerichtete ökumenische Zusammenarbeit nicht möglich.

Es kann doch niemand bestreiten, daß Jesus Christus nur eine Kirche gestiftet hat. Diese Kirche hat er den zwölf Aposteln anvertraut. Die zwölf Apostel stellen die zwölf Stämme des auserwählten Volkes Israel dar und bilden so das neue Volk Gottes. An die Spitze dieses neuen Gottesvolkes stellte er den Apostel Petrus: „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“ (Matth. 16, 18). Die Apostel haben im Auftrag Jesu („Gehet hinaus in alle Welt, lehret alle Völker und taufet sie“ vgl. Matth. 28, 19) Gemeinden gegründet und Vorsteher eingesetzt, indem sie ihnen die Hände auflegten und sie zu Bischöfen und Priestern weihten (Apostolische Nachfolge).

Zur Definition von „Kirche“ gehören also nach katholischem Verständnis das Weiheamt des Bischofs in apostolischer Nachfolge (Sukzession) und das Weiheamt des Priesters als Gemeindevorsteher. Der geweihte Bischof spendet die sieben Sakramente und in seinem Auftrag der Priester. Bischof und Priester feiern die heilige Messe (Eucharistie, Abendmahl). Kein Laie (ungeweihter) kann die hl. Messe zelebrieren. Inhaber des Lehramtes (Definition von Glaubenslehren) ist der Petrusnachfolger, der Papst. So konkretisiert sich die Kirche Jesu Christi allein in der katholischen Kirche, und in den Kirchen mit apostolischer Sukzession (orientalische Kirchen).

Die christlichen Gemeinschaften, die im 16. Jahrhundert Bischofsamt und Priestertum und damit die hl. Messe abgeschafft haben, die die sieben Sakramente nicht mehr anerkennen und kein kirchliches Lehramt (Petrusamt) mehr haben, können nicht von sich behaupten, daß sie noch in voller Berechtigung die Kirche Jesu Christi darstellen.

Ich habe vor einiger Zeit einen längeren Artikel geschrieben mit dem Thema: „Was ist das eigentliche Ziel der Ökumene“. Ich schickte diesen Artikel an eine evangelische Zeitschrift zum Abdruck. Als ich längere Zeit nichts von der Redaktion hörte, telefonierte ich und fragte nach. Es wurde mir zur Antwort gegeben: Dieses Thema interessiert zur Zeit nicht, es ist nicht aktuell.

Die Leserbriefe in den Zeitungen zeigen, daß viele nicht verstanden haben, worum es geht. Ein Briefschreiber fragt: „Sind Protestanten schlechtere Christen als Katholiken?“ Wo steht in dem Dokument etwas über diese Frage? Nirgends. Der protestantische Vorsitzende Huber meint, das Dokument schade der ökumenischen Arbeit. Um aber zusammenarbeiten zu können, müssen doch klare theologische Definitionen vorliegen. Durch Schweigen und Vertuschen ist kein zukunftsgerichteter Dialog möglich. Auf die Beleidigungen des Papstes Benedikt, den doch die Deutschen nach seiner Wahl so verherrlicht haben, will ich überhaupt nicht eingehen. Die katholische Kirche ist seit zweitausend Jahren eine Weltkirche. Sie hat keineswegs die deutschen Scheuklappen und vertritt auch keine Denkverbote. Dem Papst als katholischem Kirchenoberhaupt den Mund verbieten zu wollen und von ihm keine Definition des Begriffs ‘Kirche’ in katholisch theologischem Verständnis zu akzeptieren, ist für das ‘Volk der Dichter und Denker’ beschämend.

Die katholische Kirche allein verehrt seit zweitausend Jahren die Gräber der Apostel Jesu Christi. Über dem Grab des Felsens der Kirche, des heiligen Petrus, ist die größte Basilika der Welt gebaut. Dort residiert auch der 265. Nachfolger des hl. Petrus. Auf allen fünf Kontinenten wird diese Kirche von Bischöfen in apostolischer Nachfolge geleitet. Überall wird der eine Glaube gelehrt, den wir von den Aposteln über die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte überliefert bekamen. In allen Jahrhunderten haben die Christen diesen Glauben mit dem Leben als Märtyrer verteidigt.

Es muß aber auch historisch korrekt dargestellt werden, daß seit der Reformation im 16. Jahrhundert massenweise christliche Gemeinschaften außerhalb der einen Kirche Christi entstanden sind. Im „Weltrat der Kirchen“ in Genf sind z.Zt. 347 Einzelkirchen registriert. Seit dem 16. Jh. sind (besonders in USA) ca. 20.000 christliche Gemeinschaften entstanden. Bis zur Gründung der EKD hatten in Deutschland die Lutherische Kirche und die Reformierte Kirche keine Abendmahlgemeinschaft. Die Oberhäupter dieser Gemeinschaften nannten sich ‘Kirchenpräsidenten’ (z.B. Martin Niemöller).

Ich frage an, warum seit einigen Jahren sich die Kirchenpräsidenten „Bischof“ nennen (ohne apostolische Weihe und Nachfolge)! Warum tragen neuerdings protestantische Pfarrer Stola, manche sogar Albe? Warum trägt der Vorsitzende einen römischen Priesterkollar, Brustkreuz an der Kette und Bischofsring? Als ich vor kurzem in Hamburg war, erfuhr ich, daß neun protestantische Pfarrer sich in Schweden von einem Bischof der Schwedischen Hochkirche die Priesterweihe erteilen ließen.

Martin Luther hat in voller Absicht Bischofsamt und Priestertum abgeschafft. Die hl. Messe nannte er „Teufelswerk“. Den Papst beschimpfte er als „Antichristen“. Das Abendmahl wurde weitgehend nicht mehr gefeiert (erst nach dem Zeiten Weltkrieg wurde es wieder öfters in der Lutherischen Kirche durchgeführt).

Zum Abschluß muß um der historischen Wahrheit willen doch noch etwas über die Biographie Martin Luthers, des Gründers der reformatorischen Gemeinschaft gesagt werden:

Martin Luther war Jura-Student. Im Jahre 1505, kurz nach seinem Magisterexamen, trug er ein Duell mit seinem Mitstudenten Hieronimus Buntz aus Windsheim aus, den er dabei tödlich verletzte. Auf diese Tötung stand lebenslange Gefängnisstrafe. Um dieser Verurteilung zu entgehen, trat er am 17. Juli 1505 ins Kloster ein. Luther selbst bekennt, daß er nicht freiwillig Mönch geworden sei, sondern er habe ein aus seiner Psyche zu erklärendes „gezwungenes und notgedrungenes Gelübde abgelegt“. In einer seiner Tischreden gesteht er, er sei „zum Mönch gemacht worden, damit sie mich nicht gefangen nehmen“. Den Erfurter Augustiner-Eremiten ist es sehr schwer gefallen, Luther in ihre Klostergemeinschaft aufzunehmen. Luther war anfangs kein Postulant oder Laienbruder, sondern diente als Hausknecht. Seine spätere Theologie wurde überwiegend beeinflußt durch eine Schrift aus dem 4. Jahrhundert, ein Streitgespräch zwischen Athanasius und Arius in Gegenwart des Kaisers Konstantin des Großen. Luther bezieht sich auf diesen von Vigilius, Bischof von Thapsus, um 480 verfassten, fälschlich Athanasius zugeschriebenen Dialog (abgedruckt bei Migne). Ein Zeitgenosse Luthers, der Leipziger Theologieprofessor Hieronymus Dungersheim, hatte Luther vorgeworfen, er stehe mit seiner Theologie in vollem Gegensatz zur jahrhundertalten Theologie der Kirchenväter.

So hat Luther keineswegs eine Reform der bestehenden Kirche vollzogen, sondern mit Hilfe der Fürsten, d.h. der staatlichen Autorität die Kirche Jesu Christi zerstört und eine neue Gemeinschaft gegründet. Die Fürsten übten einen enormen Druck und Zwang auf die gläubigen Katholiken aus, indem sie die Glaubensrichtung gewaltmäßig bestimmten (Cuius regio, eius religio). Sie bereicherten sich an den Kirchengütern.

Luther hat noch auf seinem Sterbebett den Papst verflucht und mit Kreide an die Wand neben dem Bett geschrieben: „Ich fluche dem Papst und wenn ich sterbe, hoffe ich, daß nach mir andere kommen, die jetzt, wo sein Thron wankt, ihn endgültig, den Antichristen, stürzen werden.“ (bezeugt von Justus Jonas, einem Freund Luthers).

Wichtig für das Verständnis von Luthers Biographie und Theologie ist folgende Literatur:
Dietrich Emme, Warum ging Luther ins Kloster?; Emme, Regensburg 1991
Dietrich Emme, Marthin Luther - seine Jugend- und Studentenzeit 1483 bis 1505; Emme, Regensburg 1986
Dietrich Emme, Warum ging Luther ins Kloster?, IN: 'Theologisches' 1/1985, Nr. 177, Sp. 6188-6192 mit Vorbemerkungen von Prof. Dr. Johannes Bökmann

Theobald Beer, Grundzüge der Theologie Martin Luthers (Der fröhliche Wechsel und Streit); Johannes Verlag; Auflage: 2., verm. Aufl. (1980)

 

Wir Katholiken beten inständig für unseren Papst Benedikt XVI., daß Gott ihn schütze und uns noch lange Jahre erhalte. Er möge unsere Weltkirche unter Führung des Heiligen Geistes leiten und zur Verherrlichung Gottes in unserer Gesellschaft beitragen. Unsere Kirche soll dem Frieden dienen und die Menschen zur einem sinnvollen und zielgerichteten Leben anleiten.

 


 

Bischof Dr. Melki gehört zum Patriarchat der Syrisch-Antiochenischen Kirche (mit Rom uniert), Sitz in Beirut/Libanon .
Die Predigt wurde gehalten beim Konvent der Bruderschaft in Aschaffenburg (30. Juni 2007)

Predigt von Bischof Dr. Joseph Flavius Melki

Liebe Mitbrüder der Bruderschaft der Hl. Apostel Petrus und Paulus,

liebe Christen,

Sie feiern heute Ihr Patronatsfest, das Fest der hl. Apostel Petrus und Paulus. So möchte ich Euch diese beiden Apostel als Beispiele in einem sehr verständlichen Bild vorstellen.

In unserer Liturgie feiern wir gleichzeitig mit Euch dieses Fest der beiden Apostel, die man nennt „Pfeiler der Kirche“. Wir singen ein Gebet mit folgenden Worten: Fürchte dich nicht, heilige Kirche, denn an deinen Pforten wachen zwei Wächter Tag und Nacht. Der erste ist der hl. Petrus Kephas, der das Fundament, der Fels der Kirche ist, und der zweite ist Paulus, der der Architekt und Baumeister der Kirche ist. Sie sollen euch schützen gegen alles Böse und die Dämonen.

Ich bin heute das zweite Mal bei Euch und habe die Ehre, für euch die heilige Eucharistie zu feiern. Ihr wisst, ich komme aus einem kleinen Land, dem Libanon, wo die Christen eine kleine Minderheit darstellen, wo aber die Christen treu dem Glauben und der Lehre Christi, dem Evangelium verbunden sind.

In diesem Sinne sind wir bestärkt und versöhnt, wenn wir an die Mitchristen in Europa und in Deutschland denken. Mit allen Christen Europas fühlen wir uns verbunden durch ein Band der Freundschaft und des Glaubens. Ihr seid unsere Brüder. Wir im Nahen Osten empfinden eine große Verbundenheit mit den Christen hier. Selbst wenn ihr ziemlich weit von uns entfernt seid und wir uns nicht persönlich kennen, aber wenn wir als Christen zu euch in euer Land kommen, als Priester oder als Bischof, empfinden wir uns nicht als Ausländer, sondern wir fühlen uns zuhause. Wir sind hier in unserer Familie, wir alle sind untereinander Brüder. Deshalb besteht die große Sympathie, die innere Verbundenheit zwischen unseren beiden Kirchen, zwischen der Kirche des Ostens und des Westens. Wir fühlen uns mit euch verbunden. Denn Jesus ist mitten unter uns und er ist es, der uns zu einem einzigen Körper vereint.

Wir sind bestärkt, wenn wir wissen, dass die Europäer sehr mit der Lehre Jesu Christi verbunden sind. Aber es stimmt uns traurig und wir sind entmutigt, wenn wir hören, dass viele Christen in Deutschland vom Glauben abfallen. Sie verwechseln Jesus den Retter und Erlöser mit falschen Propheten, mit Idolen, die sie sich selber machen.

Wir werden alle gemeinsam beten, dass Deutschland und ganz Europa den Glauben und dadurch seine Wurzeln wiederfindet.

Die Welt kann nur menschlich, kann nur fortschrittlich sein, kann sich nur fortentwickeln und zivilisiert sein durch die Liebe Christi. Wir haben die Beispiele, die Erfahrung und das Wissen dazu.

Wir Christen wollen immer in Frieden leben. Wir wollen in Brüderlichkeit und Frieden mit unseren moslemischen Brüdern leben, wir wollen Verbindungen knüpfen, und mit ihnen wie Freunde, nicht wie Feinde leben.

Leider können wir dieses Ziel nicht erreichen. Denn ich möchte Euch eins sagen: Es ist nur die katholisch-christliche Religion, die die Welt in Ordnung bringen und ihr Hoffnung und Brüderlichkeit schenken kann. Wenn man sich von diesem Gesetz Jesu entfernt, dann werden wir zurückfallen in die Gesetze des Dschungels, in die Barbarei, wo sich die Menschen gegenseitig umbringen.

Das ist der Zustand, den wir augenblicklich im Libanon und im Nahen Osten feststellen. Was sehen wir im Irak: Gewalt und Zerstörung und Tod. Was sehen wir zwischen Israel und Palästina, zwischen dem Libanon und Syrien?

Sie sind alle weit weg vom Geist Christ.

Ich stehe hier nicht, um zu verurteilen, sondern um Friede, Liebe und Güte zu geben.

Es gibt uns großen Trost, wenn ich Euch vor mir sehe, wie Ihr betet mit Inbrunst. Das gibt uns Trost und großen Mut, aber wir sind sehr traurig und entmutigt, wenn wir von Vorgängen

hier in Europa hören, die sich gegen die Kirche, gegen den Glauben und gegen die Lehre Jesu richten.

Warum das alles? Weil Europa sich entfernt von der Lehre Christi. Für uns ist es schlimm, wenn wir hören und feststellen, dass viele Christen zum Islam übertreten. Warum? Es gibt eine große Leere in ihrem Herzen gibt, eine große Unwissenheit im Glauben. Wir sind sehr traurig zu hören, dass viele Kirchen und Klöster geschlossen werden. Viele Kirchen werden verkauft oder umgeändert in Kaufhäuser und werden profanen Bestimmungen übergeben.
Bei uns bauen wir neue Kirchen, wir tun alles, was in unseren Kräften steht, um in Kontakt zu treten mit den Menschen und sie zu bekehren.

Hier in Deutschland stellen wir genau das Gegenteil fest.

Vielen Nichtchristen, die hierher nach Europa gekommen sind, gibt man Bürgerrechte, man baut für sie Moscheen, und Kirchen werden geschlossen und zerstört, allein im Bistum Essen 94 Kirchen. Das lässt uns weinen.

Ich bin nicht hierher gekommen, um euch zu entmutigen. Aber ich möchte euch aufwecken, damit ihr ein wenig die Wirklichkeit schaut.

Das erste, was hinsichtlich einer Reform geschehen müsste, ist: Man muss die Familie gesund werden lassen, die bei euch krank geworden ist. Es ist unbedingt nötig, dass die Familie wieder einig wird und nicht auseinander gerissen wird. Es ist unbedingt notwendig, dass die Familie christlich wird. Die große Zahl der Scheidungen darf nicht dazu führen, dass die Familie zerstört wird.

Wir müssen von der geschichtlichen Tatsache, von der Lebenserfahrung überzeugt sein, dass die Priesterberufungen und die Berufungen zum geistlichen Leben aus den gesunden und kindereichen Familien kommen.

Die Kirchen und die Klöster füllen sich erst wieder, wenn die Familien ein festes Fundament haben. In der Familie muß die Liebe präsent sein. Jedes Kind ist ein Zeichen der Liebe.

Ich selbst komme aus einer kinderreichen Familie. Es gibt einen Zustand, eine Krankheit in unserer Gesellschaft: Man will das Wohlbefinden, den Luxus, das leichte Leben, das Amüsement. Aber man will in den Ehen keine Kinder mehr, die – so sieht man es – nur Sorgen bereiten. Aber gerade Kinder geben uns eine Lebensperspektive, einen Ausblick auf Zukunft.

Den Kindern gehört die Zukunft der Welt, der Gesellschaft, aber auch der Kirche. Sie sind es, die Kinder, die Gott in der Zukunft verherrlichen werden. Sie werden zukünftig das Land gestalten und die Gesellschaft prägen. Eine Gesellschaft darf nicht ihre Kinder töten, die noch im Leib ihrer Mutter sind.

Wir wollen unsere Sorgen der Jungfrau Maria anvertrauen.

Unsere Kirche des Orients hat auch ihre Probleme: Der ganze Kampf und die ungute politische Entwicklung.

Aber trotz alledem sind wir nicht entmutigt, denn Jesus ist die Hoffnung, die Auferstehung und das Leben. Jesus hat uns gesagt: „Habt keine Angst. Ich habe die Welt überwunden. Ich werde bei euch sein bis zum Ende der Welt.“ Mit dieser Hoffnung, dieser Erfahrung, die der Herr uns gibt, werden wir voll Vertrauen unser Leben gestalten.

Wir sind heute im Orient eine kleine Minderheit. Aber wir vergessen nicht, dass Jesus uns gesagt hat: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr werdet die Welt verändern“. Wir sollen die Welt verändern, die uns umgibt, die ungläubig ist, durch unser Beispiel, durch unsere Hoffnung. „Lasst euer Licht leuchten vor der Welt“. Bringt viele Früchte, und dass eure Frucht bleibe. Ja, wir können hoffen, denn wir Christen im Orient sind dort keine Ausländer, wir sind geboren auf dieser Erde. Unsere Kirche hat geblüht auf dieser Erde des Orients. Und sie wird bestehen bis zum Ende der Welt.

Wir haben eine große Aufgabe zu erfüllen. Papst Johannes Paul II. hat uns bestätigt: „Ihr seid nicht nur ein kleines Land. Ihr habt eine große Sendung zu erfüllen.“

Liebe Freunde, auch ihr habt eine große Sendung zu erfüllen. Ihr müsst die Flamme des Glaubens in den Herzen der jungen Generation von heute entzünden, ihr müsst sie begeistern, d.h. mit Geist, mit heiligem Geist erfüllen.

Ihr müsst alle Apostel Christi werden. Fangt in eurem eigenen Land an, ehe ihr Missionare in andere Länder schickt. Es ist wahr: Die Kirche hat heute viele Kämpfe zu bestehen.

Wenn ich euch hier vor mir sehe, kommt mir das Wort Jesu ins Gedächtnis: „Ihr habt viele Probleme und Sorgen. Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Erleichterung verschaffen. Mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht. Ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“

Es ist wahr, dass die Lehre Jesu schwierig ist. Es widerspricht oft unserer Natur und unserer Lebenslust. Aus diesem Grund verlassen viele Jugendliche die Kirche, weil sie meinen, dass sie in ihr ihre Freiheit verlieren. Viele modernen Gesetze des Staates sind heute gegen das Gesetz Jesu und des Evangeliums, aber trotzdem erfahren wir in unserem Leben, dass die Bürde Jesu doch eigentlich leicht ist. Er schenkt uns schließlich Friede, Freude und Genugtuung.

Gemeinsam werden wir beten für die Bekehrung Europas, für die Hoffnung unserer Kirche, und Jesus kommt unser Not zu Hilfe. Jesus möge euch segnen und euch zur Seite stehen.

Amen.

 


Das Interview ist erschienen in der Zeitung "Tagespost", Würzburg

Interview mit Bischof Dr. Joseph Flavius Melki
Patriarchalbischof der Syrisch-Antiochenischen Kirche, Beirut (Libanon)

 

Frage 1:

Die Christen im Gaza-Streifen kommen durch die Hamas massiv unter Druck. Machen Sie sich als Bischof Sorgen um deren Zukunft?

Bischof Melki: Meine Heimat ist der Libanon, wo ich auch ständig lebe. Ich verfolge die dramatischen Ereignisse, die sich im Gaza-Streifen vollziehen mit großem Interesse, zählen sie doch zu den wichtigsten Nachrichten, die auch für uns im Libanon von großer Bedeutung sind hinsichtlich der 500.000 Flüchtlinge aus Palästina, die in 18 verschiedenen Lagern im Norden und Süden Libanons verteilt sind und sich ideologisch solidarisch fühlen mit den beiden in Gaza Krieg gegen Israel führenden Parteien. So besteht auch im Libanon das große Risiko, sich gegenseitig zu bekriegen, weil diese Flüchtlinge eigene Waffen besitzen, ähnlich der Situation in Palästina, von wo aus sie geflüchtet sind.

Nach dem Kairo-Vertrag, der von Abdel Nasser aufgedrängt wurde, kann weder das libanesische Militär noch die Polizei eingreifen. Die Situation ist rechtlich undurchsichtig, weil Adel Nasser den Palästinensern die Bewaffnung gegen Israel erlaubt, ja sogar vorgeschrieben hat. Diese Situation dauert nun schon seit 35 Jahren an. Unter den Flüchtlingen befinden sich zahlreiche Islamisten und Terroristen, die von Syrien und dem Iran unterstützt werden und in den letzten Jahren ungefähr 20 Attentate geplant und durchgeführt haben.

Diese Situation hat das libanesische Militär veranlasst, das im Norden gelegene Lager der palästinensischen Flüchtlinge nahe Tripolis einzukreisen, weil vorher die Armee selbst Opfer eines Attentats geworden war und 40 Soldaten getötet wurden.

Zu gleicher Zeit ereigneten sich ebenfalls Attentate im südlichen Lager nahe Saida (Sidon). Mit Hilfe der Palästinenser konnte das Militär islamistische Nester ausheben.

 

Zu Frage 2:

Auch im Libanon gibt es momentan ernste Spannungen. Was bedeutet das für die Christen in Ihrer Heimat Libanon?

Bischof Melki: Wir leben in einer extrem kritischen Situation, welche das Risiko in sich birgt, sich in einem bewaffneten Konflikt zu verändern. Seit dem Rückzug der syrischen Armee findet der Libanon keine Ruhe und keinen Frieden mehr.

Auf Grund zahlreicher Attentate gegen wichtige Persönlichkeiten, die die Politik Syriens in unserem Land bezüglich Wirtschaft, Unterrichtswesen und Presse kritisiert hatten, - um nur den Ministerpräsidenten Rafik Al-Hariri zu nennen - macht sich Schrecken breit für die christliche wie für die moslemische Bevölkerung.

Die Libanesische Regierung hat das internationale Tribunal um Aufklärung dieser schrecklichen Attentate gebeten, um die Verursacher zur Verantwortung ziehen zu können. Aber Syrien lehnte diese Enquête ab, sowie sechs Minister der Hisbollah, die aus der libanesischen Regierung ausschieden, um sich auf die syrische Seite zu schlagen, wodurch der Libanon in zwei Lager geteilt wurde. Das eine Lager, das die Wahrheit erfahren will, das andere, um Syrien nicht zu verärgern. Letzteres setzt sich meist aus der Hisbollah zusammen und stellt zugleich die Majorität der Schiiten dar, während diejenigen, die sich um die Wahrheit bemühen, den Sunniten angehören. Die Sunniten halten zum jetzigen Premierminister Fouad Siniora, der von den USA und der EU unterstützt wird. Man fürchtet, dass die Spannung zwischen Sunniten und Schiiten einen Bürgerkrieg provozieren könnte, für den die Hisbollah mit einem Übermaß an hoch entwickelten Waffen durch den Iran und Syrien ausgerüstet ist.

Die Christen verhalten sich in dieser Situation geteilt. Die Majorität orientiert sich zu den Sunniten, ein Drittel der Christen zu der Hisbollah, zu der sich der Präsident der Republik ebenfalls orientiert. Somit gibt es keine gemeinsame Verhaltensweise mehr, die weniger religiösen Ursprungs ist, sondern vielmehr politisch national motiviert wird. Es scheint mir, dass es ein nationales Erwachen von Seiten der Moslems ist, um sich als Libanesen von den Arabern zu unterscheiden. Somit fühlen sie sich mit den christlichen Mitbürgern solidarisch.

Auf sozialer Ebene ist das Leben extrem schwierig. Unsicherheit, Armut, Arbeitslosigkeit sind die Gründe. Besonders die gut ausgebildete christliche Jugend emigriert und sucht ihre Zukunft in anderen Ländern und schwächt somit die Präsenz des Christentums in unserem Land.

 

Zu Frage 3:

Also gibt es so etwas wie eine "versteckte" Christenverfolgung im Nahen Osten?

Bischof Melki: Wir können im Libanon nicht von einer offenen Verfolgung der Christen reden, sondern vielmehr von einem gewissen Druck des extremen Islam, d.h. von einer versteckten Islamisierung der Gesamtgesellschaft. Gerade in Beirut baut man z.Zt. viele neuen Moscheen, besonders im Stadtzentrum. Die Härte dieses islamischen Druckes war vor 50 Jahren nicht so stark. Zwei Beispiele, was die islamischen Lebensgebräuche angeht: Der Mode und den sonstigen Lebensweisen wurde vorher keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gegensatz heute: Die Art der strengen Lebensform ergab sich durch den Einfluß der islamistischen Iranischen Republik, die enorme Geldzuwendungen leistet. Man sieht verstärkt in den Straßen Frauen in islamischer Kleidung. Andererseits sind die Christen frustriert über den Verlust großer Bereiche des gesellschaftlichen und politischen Lebens. Schließlich geht durch den Ankauf großer Landgebiete, die früher in christlichem Besitz waren, durch Araber und Moslems der Einfluß der Christen verloren. Auch aus diesem Grund fürchten die Christen eine schleichende Islamisierung des Libanon. Die Kirche kann diese Ländereien nicht erwerben, da ihr die nötigen finanziellen Mittel fehlen.

Es gibt also keine ausgeprägte oder offene Christenverfolgung, aber im Geheimen den Versuch einer Islamisierung der christlichen Bevölkerung, der gesamten Gesellschaft. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die moslemischen Familien durch ihre große Kinderzahl zum enormen Anstieg der moslemischen Bevölkerung (demographischer Anstieg) beitragen, währen die Christen zahlenmäßig zurückgehen durch ihre sehr kleine Kinderzahl und durch die Auswanderung. So ist der Tag nicht mehr fern, dass die Moslems in unserem Land die Alleinherrschaft reklamieren.

Es ist also gefährlicher, dass es keine offene Pression gegen die Christen gibt, aber eine verborgene Favorisierung des Islam, indem sie enorme Summen für den Bau von Moscheen geben, Gründung von Islamischen Universitäten und Bildungsanstalten, Aufbau von Fernsehanstalten für die Verbreitung des Islam. Das Geld wird aus den Erdölländern überwiesen.

 

Zu Frage 4:

Nimmt das christliche Abendland diese Situation ausreichend wahr?

Bischof Melki: Der Begriff ‚Christliches Abendland' ist unklar. Die Moslems haben eine irrige Vorstellung, eine falsche unrealistische Sicht vom so genannten "Christlichen Abendland", die weit von der Wirklichkeit entfernt ist. Die Regierungen Europas sind weitgehend nicht an der Religion interessiert. Sie wollen lediglich ihren eigenen politischen Interessen nachgehen. Die moslemischen Länder aber kennen keine Trennung zwischen Staat und Religion. Ihre Regierungen sind an der Verbreitung und Vertiefung des Islam interessiert. Somit stehen sie in krassem Gegensatz zu den Ländern des Abendlandes. Wenn die europäischen Staaten wirklich christlich wären, hätten sie niemals antichristliche Gesetze erlassen. Deshalb werden sie auch oft von den islamischen Staaten verachtet.

 

Zu Frage 5:

Das hieße aber dann, der Westen ist allzu sorglos im Umgang mit den Muslimen?

Bischof Melki: Es ist eine unleugbare Tatsache, dass mehrere Zehnmillionen Moslems schon nach Europa gekommen sind, die hier arbeiten und schon zum großen Teil eingegliedert sind, d.h. die Staatsbürgerschaft erhalten haben. Sie sind europäische Bürger mit allen Rechten geworden. Sie erhielten die volle Religionsfreiheit, die sie mit einer gewissen Anmaßung und einem gewissen Dünkel zur Verbreitung ihrer Religion ausüben. Die Christen des Orients nehmen dies mit einer gewissen Bitterkeit wahr, wie diese ehemaligen Ausländer in Europa mit großer Menschenwürde aufgenommen werden, indem man ihnen alle zivilen und religiösen Rechte gibt. Man gibt ihnen das Recht, Moscheen und eigene Bildungseinrichtungen zu bauen und gibt dafür finanzielle Zuschüsse. Man bezahlt ihre Religionsführer. Dem gegenüber werden in ihren Herkunftsländern die christlichen Bürger benachteiligt, obwohl sie doch die Ureinwohner in diesen Ländern sind, denn sie sind dort weder Ausländer noch Flüchtlinge. Die Christen leiden in diesen Ländern des Vorderen Orients unter Diskriminierung gegenüber den Moslems, sie können durch das Gesetz dieser Staaten gewisse Stellen und politischen Ämter überhaupt nicht übernehmen, da es durch die Verfassung verboten ist. In einigen Ländern ist es sogar verboten, die christliche Religion öffentlich zu zeigen, in anderen Ländern steht die Polizei vor den Kirchen, um die Christen bei Betreten zu schützen und zu überwachen. Die Religionsfreiheit in den arabischen Ländern besteht nicht. Für einen Moslem ist es absolut verboten, zum Christentum zu konvertieren. Die Christen fühlen sich als Opfer in ihrem Land, wenn sie sehen, wie die Moslems in den Ländern Europas behandelt werden. Die Christen des Orients denken, dass mit dieser so genannten demokratischen Methode, die die Ausländer in Europa erfahren, Europa selbst zum Untergang geführt wird.

Wenn die arabischen Länder selten den Ausländern, die bei ihnen jahrelang arbeiten, die Staatsbürgerschaft gewähren, warum gibt Europa dann so freizügig die Nationalität, besonders wenn feststeht, dass diese Ausländer große Gefahren für die Sicherheit der eigenen Bevölkerung darstellen. Die europäischen Regierungschefs haben ihre demokratische Sicht der Trennung zwischen Religion und Staat und halten deshalb das Ansteigen und die Ausbreitung des Islam für nicht so wichtig. Im Gegensatz aber die Moslems, die keine Trennung zwischen dem Spirituellen und dem Zeitlichen kennen, möchten eines Tages in Europa das islamische Gesetz einführen (das ist ihre erklärte Absicht). Und die Politiker werden sich dann genötigt sehen, die Frage der islamischen Religion in ihrer Tagespolitik ernst zu nehmen.

Ist dies alles etwa keine ausreichende Begründung für die Verweigerung der Einbürgerung der vielen Einwanderer? Wir müssen auch feststellen, dass es viele falsche Flüchtlinge gibt.

 

Schlussfolgerung:

Der Libanon kennt seit der Staatsgründung Israels 1948 und dem Flüchtlingsstrom der Palästinenser in den Libanon keinen Frieden mehr. Ohne Unterbrechung war unser Land den oppositionellen Auseinandersetzungen seiner Nachbarstaaten, also den Spannungen, Angriffen und Unsicherheiten ausgesetzt. Trotzdem bleiben die Christen dem Evangelium verbunden.

Trotz Chaos, Bedrohung und Unruhen wollen sie die Brüderlichkeit zwischen den Völkern verkünden und erinnern an die Notwendigkeit des friedlichen Miteinanderlebens, um das zerstörte Land wieder aufzubauen, die Felder zu bearbeiten. Sie wollen leben in gegenseitiger Achtung der Religionen. Die Versöhnung der Bürger untereinander in Frieden ist wichtig, damit wir vereint in Liebe und Treue zum Libanon leben können.