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Was bedeutet uns der
Glaube?
Von Edmund Dillinger, Ehrendomherr und Präfekt der Bruderschaft |
Auf die Frage, was uns der Glaube bedeutet, antworte ich mit dem Satz
des Apostels Paulus im Hebräerbrief. Dort lesen wir: "Glaube
ist Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen,
die man nicht sieht" (Hebr. 11, 1) Für die Ohren von vielen
Menschen von heute in unseren hochwissenschaftlichen Ländern sind
diese Worte ein Skandal. Überzeugtsein von Dingen, die man nicht
sieht? Fordert man nicht von uns, daß alles wissenschaftlich bewiesen
sein muß? Alles wird durchexperimentiert. Was man nicht sehen kann,
existiert nicht. Auch Liebe sieht man nicht, also existiert sie nicht;
das erfahren wir doch ständig im Zerbrechen der 'Liebesbündnisse'
der Ehe. Sogar Trauer und Schmerz, Freude und Heiterkeit können nicht
echt sein - so wird jetzt öfters gesagt - , denn sie werden meist
vor anderen geheuchelt. Man glaubt niemandem mehr. Ist nicht auf dieser
psychologischen Ausgangsgrundlage der religiöse Glaube in unseren
Breiten zum Problem geworden?
"Gott?", so wurde ich schon einige Male gefragt,
"haben Sie ihn schon gesehen?" Oder in Bayern, wo man noch in
alter Tradition "Grüß Gott" sagt, antwortete ein
Tourist aus dem Norden Deutschlands: "Wenn du ihn siehst". Kürzlich
las ich in einer Zeitschrift den Titel einer Abhandlung: "Gottesverachtung
führt zu Menschenverachtung." Wie wahr ist diese Erkenntnis,
wenn wir den Geschichtsverlauf in den verschiedenen Jahrhunderten, auch
in unserer eigenen Lebenszeit verfolgen.
Schauen wir uns den Satz des Apostels Paulus an, was er vor dem Überzeugtsein
sagt: "Feststehen in dem, was man erhofft". Und hier liegt das
Problem unserer heutigen Menschen. Was erhoffen sich eigentlich unsere
Menschen vom Leben, von ihrer Zukunft, von einem sinnerfüllten Engagement
in der Gesellschaft? Sprechen wir nicht von der Ich-AG, von dem immer
egoistischeren Verhalten der Menschen, von mangelnder Hilfsbereitschaft,
vom Abschieben der alten und kranken Eltern in Pflegeheime, von Gewalt
und Mobbing der Menschen untereinander in der Familie, am Arbeitsplatz
und jetzt sogar auf unseren Schulhöfen? Die Menschen suchen den Augenblicksgenuß,
im jetzigen Augenblick suchen sie das 'High Life', was morgen ist, steht
auf einem anderen Blatt.
"Woran glaubst du?", so betitelte Missio-Aachen vor kurzer Zeit
eine Aktion, wodurch erfragt werden soll, wofür die Menschen in Deutschland
überhaupt leben, was ihre Lebensperspektive ist, woran sie eigentlich
glauben.
Haben unsere Menschen überhaupt eine Perspektive für ihr Leben?
Wir hören in den Untersuchungen über unsere Jugendlichen, daß
sie resigniert seien, keine Lust zum Lernen und Studieren haben, überhaupt
keine Arbeitsstelle wollen. Nach der letzten Zeugnisausgabe dieses Jahres
ging die Meldung durch die Medien, daß ein Berliner Schüler
das schlechteste Zeugnis Deutschlands bekommen habe: In allen Fächern
ein 'Ungenügend'.
Wir müssen uns aber
auch fragen: Was haben unsere Jugendlichen in den vergangenen Jahrzehnten
angeboten bekommen? Vordringliches Erziehungsziel war die sexuelle Aufklärung,
die zu fatalen Folgen geführt hat, die wir alle vorher überhaupt
nicht erkannten. Der führende Sexualwissenschaftler H. J. Gamm, verantwortlich
für die Sexualkunde-Richtlinien in den Schulen des damals sozialdemokratisch
regierten Landes Hessen, schreibt ganz ungeniert: "Wir brauchen die
sexuelle Stimulierung der Schüler, um die sozialistische Umstrukturierung
der Gesellschaft durchzuführen und den Autoritätsgehorsam einschließlich
der Kinderliebe zu den Eltern gründlich zu beseitigen" (zitiert
bei: Christa Meves, "Kurswechsel", S. 199).
Christa Meves zitiert auch die unverblümte Absichtserklärung
Kentlers, der schreibt: "Es kommt heute darauf an, Sexualerziehung
bewußt als politische Erziehung zu etablieren und auf die experimentelle
Situation des Sexuallebens so einzuwirken, daß das in ihr verborgene
gesellschaftliche Veränderungspotential aktiviert wird." Diese
Sätze müssen uns alle endlich aufwecken und uns erkennen lassen,
was mit uns und unserer Gesellschaft eigentlich gespielt wird.
Die Begegnungen bei den Weltjugendtagen sprechen aber eine ganz andere
Sprache. In einem Bericht zum Weltjugendtag in Rom im Jahre 2000 schreibt
die Zeitung "Die Welt" (21.8.2000): "Die Mehrzahl der Jugend
weltweit sehnt sich nach Werten, Idealen und einem moralischen Halt, den
sie von Politikern und Parteien, Eltern und Schulen offenbar nicht oder
nur unzureichend bekommt. Der Papst vermochte es, den Jungen und Mädchen
bei ihrer Suche nach dem Sinn zu helfen und einige Grundlagen des menschlichen
Zusammenlebens zu vermitteln, die im Christentum verankert sind."
Im Text des Apostels Paulus finden wir also schon die Begründung:
Alle diese resignierten, depressiven, lustlosen Menschen haben keine Hoffnung.
"Feststehen in dem, was man erhofft".
Nun müssen wir an uns die Frage stellen: Was erhoffen
wir Christen? Stehen wir fest in dem, was wir erhoffen?
Uns ist das ewige Leben bei Gott versprochen, eine Glückseligkeit
in der Anschauung des ewigen Gottes, wenn wir auf das hören, was
Christus uns lehrt. Hören' bedeutet im Wortlaut des Textes:
Gehorchen, befolgen, tun, was Christus gebietet.
Auch hier finden wir wieder bei unseren heutigen Menschen eine Schwierigkeit:
Wer will schon gehorchen? Immer wieder hören wir: "Ich lasse
mir von niemandem etwas sagen. Niemand darf in mein Leben hineinreden.
Ich gebe mir meine eigenen Gesetze, ich mache aus meinem Leben, was ich
will."
Hier haben wir Christen eine wichtige Aufgabe für unsere religionsfernen
Mitmenschen: Wir haben die Verpflichtung, durch unser Vorleben, durch
unser Beispiel und Verhalten, durch unser Reden den Menschen Hoffnung
zu geben, Hoffnung zu vermitteln. Können wir unser Überzeugtsein
weitertragen, damit es unsere Umgebung, die Familienangehörigen,
die Kinder, die Schüler und Studenten in den Schulen und Universitäten,
die Lehrlinge an den Arbeitsstellen prägt und formt?
Wir können es in der Gnade Gottes, durch unser Gebet, durch unser
Opfer, durch unseren Verzicht.
Ich bin oft erstaunt, welchen Unsinn Menschen heute glauben. Und das widerspricht
doch gerade der ungläubigen Haltung, von der ich zu Beginn gesprochen
habe, daß der Mensch von heute nur glaubt, was er sieht. Weit gefehlt:
Der 'Ungläubige' von heute glaubt an UFOS, an Menschen auf anderen
Sternen, an Horoskope und Sterndeuterei, an Pendeln und Lesen im Kaffeesatz,
an Kartenlegen und Wunder-Steine, er folgt willig Sektenpredigern und
Visionären des Weltuntergangs. All das ist wissenschaftlich überhaupt
nicht zu beweisen. Kürzlich behaupteten einige Prominente in Deutschland,
sie hätten schon mal in früheren Zeiten gelebt. Prompt meldeten
sich viele Menschen, die auch der Meinung waren, schon einmal gelebt zu
haben. Einer äußerte, zur Zeit Jesu Kameltreiber gewesen zu
sein und Jesus getroffen zu haben.
Wir als gläubige Katholiken dürfen uns heute nicht mehr im eigenen
Privatleben, auch nicht im Kirchengebäude verstecken, sondern von
uns ist offenes Bekenntnis verlangt. Machen wir uns bewußt, daß
in der Hauptstadt Berlin nur noch 9 % Katholiken leben; auch in den als
katholisch bezeichneten Städten Köln, Mainz, München leben
nur noch 40 % Katholiken. Wir sind herausgefordert, unser Überzeugtsein
als Lebensgrundlage offen und freimütig zu bekennen. Wir dürfen
uns nicht in unserer Meinung fremd bestimmen lassen; wir dürfen uns
nicht von den Medien vorschreiben lassen, was in der Öffentlichkeit
als richtig oder falsch angesehen werden soll: Jahr für Jahr werden
100.000de Kinder vor der Geburt ermordet, aber unsere Bevölkerung
regt sich auf, wenn ein räuberischer Bär getötet wird und
verlangt den Rücktritt eines Ministers. Wer protestiert gegen die
Tötung von Menschenleben? Wer verlangt hier den Rücktritt von
Mandatsträgern der Politik? Im Kongo sind in den vergangenen Jahren
zwei Millionen Menschen getötet worden. Aber niemand bei uns regt
sich darüber auf. Bischof Walter Mixa (Augsburg) schreibt richtig:
"In unserer Gesellschaft wird zu Recht über die zunehmende Kinderlosigkeit
und die wachsende Alterspyramide geklagt. Jammern bringt nichts! Wir müssen
alles tun, um uns für den Schutz des ungeborenen Lebens einzusetzen
und werdenden Müttern Mut zu machen, das zu erwartende Kind auszutragen."
In der heutigen Diasporasituation erinnert unsere Lage als Katholiken
fast an die Kulturkampfzeiten des 19. Jahrhunderts. Es ist heute und in
Zukunft von zentraler Bedeutung, daß es bekennende Katholiken gibt,
die öffentlich ihre Überzeugung vortragen, die sich für
die Kirche und ihre Werte einsetzen. Für unser Land ist es wichtig,
daß wir nicht nur eine Gesundheitsreform für den Körper
diskutieren, sondern daß wir eine seelische Reform anpacken, die
den Menschen wieder eine Lebensperspektive für eine Zukunft in und
bei Gott darbietet. Nur ein Mensch, der sich auf Gott ausrichtet und sich
in Gott geborgen weiß, kann sein eigenes Leben und das der Gemeinschaft
gestalten. Nur der gläubige ;Mensch ist ein seelisch gesunder Mensch.
Ein Land ohne Religion, ohne Gottesglauben verkümmert und stirbt
aus.
Predigen wir diesen Ungläubigen oder besser diesen
Wirrgläubigen die Botschaft von Christus, dem Herrn, der zu uns gekommen
ist, um uns das Heil zu bringen, das Reich, das er aufbauen wird, damit
wir darin glücklich leben können.
Nach dem Kovent
in Seligenstadt verschickte der Präfekt von Rom aus ein Rundschreiben
an alle Mitbrüder, indem er über den Konvent berichtete.
Hier finden Sie das
Rundschreiben des Präfekten aus Rom
Aktuelle
Themen aus dem Jahresheft 2005 der Bruderschaft
Regionalkonvent
West 2005 in Beckingen (Saarland)
Regionalkonvent
Mitte 2005 in Mainz
Regionalkonvent
Süd 2005 in München
Priesterweihe
Priesterweihe unseres Mitgliedes Diakon Armin Nagel in Rom
- wir gaben Ihm Geleit.
Am Montag, den 10. Oktober 2005, um 9.00 Uhr wurde er in der Kirche
Sant'Ignazio, Rom, von Erzbischof Dr. Werner Thissen zum Priester geweiht.
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